{"id":112,"date":"1995-11-20T20:03:17","date_gmt":"1995-11-20T18:03:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ooxoo.info\/?p=112"},"modified":"1995-11-20T20:03:17","modified_gmt":"1995-11-20T18:03:17","slug":"neunzehnter-rundbrief","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.brixworx.de\/?p=112","title":{"rendered":"neunzehnter Rundbrief"},"content":{"rendered":"<p>Neunzehnter Rundbrief, in dem ich mich am Lauf des Wassers erfreue, einen kleinen R\u00fcckblick \u00fcber die Arbeit gebe und die erste fertiggestellte Quellfassung gefeiert wird.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Wasser. Trinkwasser. Sauberes Trinkwasser. Maji Safi. \u2013 Nachdem wir unsere H\u00e4nde gewaschen haben, f\u00fcllen wir unsere Tassen und sto\u00dfen auf die soeben fertiggestellte Quellenfassung an. Ich stehe auf einer Betonfl\u00e4che und lasse mir vom Quellwasser den Schlamm und Zementstaub von den Gummistiefeln waschen. Schon bald werden hier Kanister stehen, mit denen das kostbare Na\u00df aufgefangen und zu den Haushalten all dieser Menschen gebracht wird. Inmitten dieses Trubels empfinde ich eine tiefe Zufriedenheit und Freude, die ich gerne hier mit Euch teilen will.<br \/>\nInzwischen n\u00e4hert sich das Jahr 1995 ebenso wie meine Dienstzeit als ADiA in Kenia mit Riesenschritten dem Ende.<\/p>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfes Problem im Rahmen des Wasserquellschutz-Projektes ist der umstand, dass zun\u00e4chst einmal ein Zugang zur \u201elocal community\u201c bestehen muss, mit der kooperiert werden soll. Tatsache aber ist \u2013 und diese macht es schwieriger -, dass zun\u00e4chst einmal gar keine \u201ecommunity\u201c existiert. Dies macht die Ergebnisse der Arbeit noch belohnender, wenn sich w\u00e4hrend der Arbeit and er Quelle eine kleine Gemeinschaft gebildet hat \u2013 so wie diese hier, mit der wir gerade feiern&#8230;<\/p>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<p>Ein Zaun, ein kleiner Betonw\u00fcrfel und eine Zapfstelle \u2013 mehr ist von der Arbeit der letzten Tage nicht zu sehen (geschweige denn von den sich \u00fcber Wochen erstreckenden vorangegangenen Vorbereitungen). Die Sammelfl\u00e4che liegt unsichtbar unter einem eingez\u00e4unten und mit Gras bewachsenen Gebiet hangaufw\u00e4rts. Etwa acht Tonnen Feldsteine (das sind neun bis zw\u00f6lf Quadratmeter) liegen dort mit einer Plastikplane und Erdreich bedeckt. Das Wasser flie\u00dft durch die Hohlr\u00e4ume zwischen den Steinen, wird von einer talseitigen Ringmauer aufgefangen und zur Sedimentationskammer geleitet. Das hier \u00fcberlaufende Wasser pl\u00e4tschert durch ein paar Rohre (die \u201etap station\u201c) in ein kleines Becken (ohne stehendes Wasser, um M\u00fcckenbrutpl\u00e4tze zu vermeiden) und flie\u00dft von dort ungehindert seinen nat\u00fcrlichen Weg (der Lauf des Wassers soll nach M\u00f6glichkeit nicht unterbrochen werden). Neben dem Becken befindet sich ein kleines Betonpodest, das trockene F\u00fc\u00dfe gew\u00e4hrleistet. Die kleine Mauer auf der Seite kann als Abstellm\u00f6glichkeit genutzt werden, wenn die Kanister auf den Kopf gehoben werden.<\/p>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<p>Zwischen 40.000 und 80.000\/= kenianische Shilling (das entspricht etwa 1.000 bis 2.000 DM) kostet solch eine Quellgr\u00fcndung. Die Comminuty steuert etwa die H\u00e4lfte davon in Form von Arbeitskraft, Material (Steine gibt es \u00fcberall) und ein paar Banknoten bei (je Haushalt etwa 100 Shilling \u2013 \u00fcbersetzt in mittelst\u00e4ndische Deutsche Verh\u00e4ltnisse w\u00e4ren das etwa 100 bis 300 DM).<\/p>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<p>Meine Arbeit begann mit der Recherche nach traditionellen Bauweisen f\u00fcr Quellgr\u00fcndungen und Informationen \u00fcber m\u00f6gliche Alternativen aus anderen Regionen des Landes. Parallel gelang es mir, ein paar Kontakte zu anderen Entwicklungshelfern, die bereits in diesem oder in \u00e4hnlichen Gebieten gearbeitet haben, aufzubauen. Ihre Tipps und praktischen Erfahrungen erwiesen sich im weiteren Verlauf des Projektes als \u00e4u\u00dfert hilfreich.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Schritt war die Entscheidung, welcher der inzwischen bekannten Fassungstypen ausgef\u00fchrt werden sollte. Bei den Diskussionen bin ich in die Rolle des Informationslieferanten geschl\u00fcpft und habe versucht, mich bei den Entscheidungsprozessen zur\u00fcckzuhalten. Die anderen Konzepte wurden viel diskutiert, aber nur z\u00f6gerlich akzeptiert \u2013 schlie\u00dflich wurde beschlossen, ein paar der Ideen bei einem Versuchsprojekt zu testen.<\/p>\n<p>Parallel zu der Beantragung von F\u00f6rdergeldern (UNEP hatte gerade eine F\u00f6rderung f\u00fcr Kleinstprojekte ins Leben gerufen) entwickelten wir ein Lehr- und Trainingsprogramm und erstellten Informationsmaterialien, um die lokalen Gemeinden \u00fcber die Notwendigkeit von sauberem Wasser zu informieren und das Projekt bekannt zu machen. Abschluss der Vorbereitungen war die Erstellung einer Checkliste, mit der m\u00f6gliche Quellen f\u00fcr das Projekt \u201etraining and dissemination on water catchment protection\u201c ausgew\u00e4hlt werden sollten, sowie eine Besichtigungstour in die umliegenden Regionen, um bereits umgesetzte Projekte zu besichtigen.<\/p>\n<p>Ein wenig \u00fcber das Ziel hinausgeschossen bin ich, als ich eine Kalkulationsliste erstellt habe, mit der sich der ungef\u00e4hre Bedarf an Materialien f\u00fcr die einzelnen Projekte ermitteln lassen sollte. Bei dieser Gelegenheit durfte ich lernen, dass Steine hier nicht in Kubikmetern, sondern in H\u00e4ngerladungen und Zement nicht in Kilogramm, sondern in S\u00e4cken gemessen wird \u2013 und dass man ruhig ein paar S\u00e4cke zu viel besorgen kann \u2013 irgendwo gibt es immer irgendetwas auszubessern oder neu zu bauen, so dass auf der Baustelle garantiert nichts schlecht wird&#8230;<\/p>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<p>Stellen, an denen Grundwasser an die Erdoberfl\u00e4che tritt. In der Umgebung handelt es sich in erster Linie um Hangquellen, die durch den Wechsel der Erdschichten entstehen. Dort, wo eine wassertragende Lehmschicht an die Erdoberfl\u00e4che gelangt, kommt auch das Wasser wieder ans Tageslicht. Diese Stellen zeichnen sich oft durch intensives Pflanzenwachstum und matschigen bis sumpfigen Untergrund aus, werden von Menschen und Tieren als Wasserquelle genutzt und sind somit nicht nur in der Gefahr, verunreinigt zu werden, sondern schweben auch in Gefahr, der allgegenw\u00e4rtigen Erosion zum Opfer zu fallen. \u201eTierische\u201c Hinterlassenschaften und Abf\u00e4lle sind ebenso Ausl\u00f6ser f\u00fcr Krankheiten und Epidemien, wie der in der Landwirtschaft immer wieder eingesetzte D\u00fcnger.<\/p>\n<p>Traditionsgem\u00e4\u00df wird der Kuh die kleine Erfrischung an der Quelle nicht verw\u00e4hrt, w\u00e4hrend sich die Frauen hangaufw\u00e4rts (und somit im Einzugsbereich der Quelle) der schmutzigen W\u00e4sche widmen, bevor sie ihre Wasserkanister f\u00fcllen und den Schauplatz wieder verlassen.<\/p>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<p>Neben Verunreinigung besteht auch st\u00e4ndig die Gefahr, dass Tiere oder Menschen anfangen, die Quelle freizulegen, oder eine Grube zu graben, in der die Wasserkanister leichter aufgef\u00fcllt werden k\u00f6nnen. Oft wird dabei das Auge der Quelle blockiert, so dass sich das Wasser einen anderen Weg suchen muss. Au\u00dferdem liegen die Hangquellen oft im Tal, w\u00e4hrend sich die Siedlungen hangaufw\u00e4rts befinden \u2013 die Frauen (als traditionelle Wasserholer) also einen langen und beschwerlichen (da steilen) Weg zur\u00fccklegen m\u00fcssen, um das Wasser direkt von der Quelle zu holen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neunzehnter Rundbrief, in dem ich mich am Lauf des Wassers erfreue, einen kleinen R\u00fcckblick \u00fcber die Arbeit gebe und die erste fertiggestellte Quellfassung gefeiert wird.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-112","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ben-in-kenia"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.brixworx.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/112","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.brixworx.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.brixworx.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.brixworx.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.brixworx.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=112"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.brixworx.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/112\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.brixworx.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=112"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.brixworx.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=112"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.brixworx.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=112"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}