Stolz auf 3.400 Metern

Nach einem langen Tag, der uns fast 2.000 Hoehenmeter auf frischer, radunfreundlicher Vulkanaschenpiste gen Himmel zurueck in die Anden fuehrt, kommen wir endlich, endlich wieder in eine menschliche Siedlung.

Wir haben San Jose, ein kleines Dorf in feucht-kalten Hoehen erreicht und hoffen darauf, hier eine Schlafmoeglichkeit zu finden. “Dies sollte kein Problem sein”, meint der Mann, den wir auf der Strasse ansprechen. Er schliesst sich mit dem Kommunenpraesidenten kurz – und nach wenigen Minuten erschallt eine Lautsprecherdurchsage vom anderen Ende des Dorfes: “Queridos turistas con las bicicletas, vengan a la comuna, por favor!” (Liebe Touristen mit den Fahrraedern, kommt bitte zu dem Gemeindehaus!) Diese Durchsage macht auch andere Kinder und Erwachsene des Dorfes neugierig – und so werden wir bald von einer Traube interessierter Menschen umringt. Um die Kommune gastfreundlicher zu machen, wird der vor der Vulkanasche gerettete Brócoli im Gemeindesaal fuer uns beiseite gefegt – und so koennen wir ein gemuetliches Nachtlager aufschlagen.
Zum Glueck bestehen die Kinder darauf von uns einige deutsche Kinderspiele zu lern, denn so wird mir zumindest wieder ein bisschen waermer… Ganz warm wird mir in dieser kuehlen Andennacht aber auch in Bens Armen nicht. Dennoch schliefen wir fast elf Stunden. Die Anstrengung des Radelns geht an unseren noch nicht ausreichend trainierten Koerpern nicht spurlos vorbei. – Umso wohltuender war da der Café, der uns am naechsten morgen in der Schule angeboten wurde. Am Abend zuvor machten wir mit dem Praesidenten aus, dass wir in die Schule kommen wuerden um einen kleinen Deutschland-Kultur-Vortrag zu halten. Es war schoen auf diesem Wege ein bisschen von der uns entgegengebrachten Gastfreundschaft zurueckgeben zu koennen. Nach unserem Vortrag wurden wir gefragt, ob wir unsere Weiterreise nicht noch um “diez minutitos” (10 Minuetchen) verzoegern koennten, damit wir den Fahnenappell der Schueler noch miterleben koennen. Wir sind zufaellig just am 27.Februar, dem ecuadorianischen Nationalfeiertag ins Dorf gekommen. Fuer einen deutschen Menschen ist es zwar etwas befremdlich zu sehen, wie ca. 60 fuenf- bis zehn-jaehrige Kinder ca. 2 Stunden (soweit zu den 10 ecuadorianischen Minuetchen!) ueber den Schulhof marschieren und der Reihe nach ihre Fahne kuessen und dabei schwoeren, dem Vaterland treu zu sein. Doch so erhalten wir einen authentischen Einblick in die Kultur dieses kleinen Andendorfes. – Irgendwie ist es schon auch bewundernswert, mit welch einem Stolz und mit welcher Ernsthaftigkeit sich die Menschen dieses kleinen Dorfes, zu ihrem kleinen Land, bekennen.
Nach einem herzlichen Abschied von Lehrern, Schuelern und Praesidenten geht es gluecklicherweise wieder bergab. Jetzt ist es nicht mehr weit nach Riobamba, wo wir von meiner Gastfamilie bestimmt wieder verwoehnt werden…

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2 Kommentare

  1. Vor Begeisterung sind mir beim Lesen doch ein paar Tränchen gekommen. Ach toll! Natürlich erinnert mich das an meine eigenen Abenteuer mit fernen Menschen, mit Schulklassen, die schleunigst versammelt werden, um die Fremden mit Erlerntem zu begrüßen usw. Diese Erinnerungen haben mich mein ganzes Berufsleben lang begleitet und mir das gute Gefühl gegeben, dass die Menschheit eigentlich doch ganz nett ist.
    Nur, Günnar, glaubst Du wirklich, dass der Mann an Deiner Seite so ganz der Richtige ist?
    Hey machts gut Ihr beiden süßen, und passt auf mit den dicken Steinen!

  2. Moers Helene

    Warte immer gespannt auf Eure tollen Berichte, es bringt mir dann Südamerika wieder etwas näher, denn es fehlt mir so vieles von dort.
    Macht weiter so und mucha suerte y hasta luego !
    Helene

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