Humitas in Vilcabamba

Hatte ich gewusst, auf was ich mich hier einlasse, haette ich wahrscheinlich ein Ruehrei zum Abendessen vorgeschlagen…

Auf unserem Weg nach Sueden haben Gynna und ich Gastmutter Glorias Schwester Carmen einen Besuch in San Pedro de Vilcabamba abgestattet. Carmen ist eine froehliche und besonders liebenswerte Ecuadorianerin, die hier in recht einfachen Verhaeltnissen lebt: in einem kleinen einfachen Haus am gruenen Hang mit Bananenstauden, Mais, Kaffe, Papayas, Kraeutern und viel Gemuese im Garten, zwei Hunden, flatterndem Federvieh, zwei Soehnen, einer Tochter und deren Tochter (die anderen sechs Kinder sind inzwischen aus dem Haus und bis Spanien verstreut). Das zugewachsene Haus wurde in den vergangenen Jahren immer wieder erweitert (inzwischen hat es sogar ein zweites Stockwerk, dass jedoch nur ueber einen Lehm-Trampelpfad im Garten hangaufwaerts zu erreichen ist) und ist damit nicht mehr ganz so bescheiden, wie Gynna es in Erinnerung hatte.
Und hier stehe ich nun also: unter dem Wellblech-Vordach zum Garten – links von mir quiecken die Meerschweinchen, als ob sie sich mit den vielem kleinen Kuecken in einem Wettstreit befinden wuerden. Ueberall haengt bunte Waesche zum Trocknen, dazwischen Maiskolben und Bananen. Vor mir eine etwas altertuemlich anmutende Quetsche, die an einen Fleischwolf erinnert und mit der hier fast alles gemacht zu werden scheint. Heute Abend soll es Humitas geben (eine in gefalteten Maisblaettern gekochte Mischung aus gequetschtem Mais, Zwiebeln, Kaese und Butter). Doch bis das Essen auf den Tisch kommt muss der Mais zunaechst geschnitten und gepult, Zwiebeln geschnitten, Kaese gerieben und alles zusammen durch eben diese Quetsche gedreht werden. Anschliessend werden die einzelnen Portionen in Maisblaettern verteilt, diese gefaltet und dann in einem grossen Topf ueber dem Feuer gekocht. Waehrend ich also etwa fuenf Liter Mais durch die Quetsche kurbele und mir der Schweiss von der Stirn tropft, bewundere ich dieses „einfache“ Leben, das die Leute hier leben. Und ein bisschen Ehrfurcht bekomme ich auch, wenn ich daran denke, dass man hier (aehnlich wie damals in Kenia) fast einen ganzen Tag dafuer braucht, um ein Abendessen auf den Tisch zu bekommen.

Die Humitas schmeckten an diesem Abend besonders lecker !

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3 Kommentare

  1. Philine

    hehe,
    der ARME Ben arbeitet hart für seine Mahlzeiten! Und das nach all dem Geradel

  2. Juliane

    Hej ihr beiden!
    beim anblick des blaufüßigen vogels hatte ich lachtränen in den augen! immer wieder herrlich von euch zu lesen und die bilder durchzublättern! ich schicke euch viel kraft und eine dicke umarmung.

  3. Wiebke

    Hallo ihr zwei,die ihr da durch die Weltgeschichte gondelt.Meine allerhöchste Verneigung vor zwei Radfahrern,die über den Aldi -Plano fahren,ich fand es mit dem Bus schon ätzend weit und eure Straßenverhältnisse haben meinen Popo auch ziemlich zugesetzt.Also in Gedanken leide ich ein Stück mit euch.Aber freut euch auf Cusco,wunderschön und MaccuPiccu,der Platz hat wirklich etwas unwirkliches.Weiterhin fröhliches strampeln und herzliche Grüße aus dem verregneten,kalten Norden Wiebke

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