Alltaegliches

Vielleicht fragt ihr Euch, wie unser Radlerleben, neben den kleinen herausgepickten und veroeffentlichten Blogeintraegsankdoten eigentlich aussieht.
Damit ihr Euch ein besseres Bild von unserem Alltag machen koennt, hier ein kleiner Darstellungsversuch.
Erst einmal muss man zwei Parallel-Leben unterscheiden: Unser Dasein als Radler- und Naturtourist und unser Dasein als durchschnittlicher Staedte- und Kulturtourist.
Unser erstes Leben ist gepraegt durch fruehes Aufstehen, eine karge Kost, ein naturnahes Nachtlager und viel Gekurbel. Unser zweites Leben unterscheidet sich in jeglicher Hinsicht von dem ersten: Es ist gepraegt durch spaetes Aufstehen, viele Sahnetorten und grosse Eisbecher, naechtliche Aufenthalte in kargen und zumeist dreckigen Hostelzimmern und eine grosse kulturelle und intermediale Aktivitaet.

1. Unser Radlertag beginnt natuerlich damit, dass wir –nach Sonnenaufgang (ca. um 6.30…jaja – man staunt… aber die Erklaerung dafuer kommt spaeter…) anfangen unser Zelt einzupacken und unsere Packtaschen an unseren Raedern zu befestigen. Dies ist mittlerweile gluecklicherweise so routiniert, dass wir dazu nicht einmal richtig wach zu werden brauchen. Meist haben wir uns dann noch ein bescheidenes Fruehstueck bereitsgelegt, welches in der grossen Regel aus Keksen, Cola, Schokolade und vielleicht aus ein paar trockenen Broetchen besteht. Praechtig gestaerkt und wunderbar gelaunt schwingen wir uns dann auf die Raeder und freuen uns darueber, von der meist recht starken morgendlichen Andensonne gewaermt zu werden. In dem Fall, dass wir uns auf dem Weg noch ein Fruehstueck suchen muessen, haben wir mit der Schwierigkeit zu kaempfen, dass uns zum Fruehstueck in der grossen Regel “Arroz con Pollo” (Reis mit Huhn) – oder ein vergleichbar deftiges Mahl angeboten wird. Wir lehnen dann dankbar ab und greifen wiederum auf Kekse, Cola, Joghurt, Brot und/oder Schokolade zurueck; – und sind damit auch ganz praechtig zufrieden. Die Mahlzeiten der Suedamerikaner unterscheiden sich eigentlich nicht voneinander; weder regional, noch tageszeitlich. Bislang haben wir fast immer die selben Standartgerichte in Ecuador, Peru und Bolivien gefunden. Aber lustig ist auch, dass sich die Gerichte auch waehrend des Tages nicht aendern. Auf den Tafeln vor den Restaurantes werden im Tagesverlauf lediglich die Worte “Desayuno” – “Almuerzo” und “Cena” miteinander abgewechselt – doch zu essen gibt es immer das selbe.

Bis zur naechsten Pause radeln wir – mit ab und an vielen und langen Fotopausen (auch wegen unseres kleinen Mitreisenden) einige Stunden munter drauflos und freuen uns ueber die schoene Landschaft, oder aergern uns ueber die schlechte Wegbeschaffenheit, oder Schnaufen aufgrund der steilen Anstiege oder des verminderten Sauerstoffgehalts in der Luft, oder freuen uns ueber ueber nett gruessende Mitmenschen, oder wundern uns ueber kommunikationsverhindernde “Gringo-Rufe”, etc.

Ist es sehr warm und unsere Trinkflaschen geleert, geben wir in den kleiner Doerfern, durch die wir rasen und kurz anhalten wohl ein recht komisches Bild ab. Dann halten wir ploetzlich an, kaufen ca. 4 Liter Fluessigkeit, fuellen diese aus den Plastikflaschen in unsere Trinkflaschen um und brausen auch schon wieder davon.

Ja – zum Mittagessen wiederholen wir in der Regel die selbe Nahrungsaufnahme wie zum Fruehstueck – ach ja – und zum Nachmittagskaffee gibt es meist ebenfalls Kekse, Schokolade, Cola und / oder Broetchen. Unsere Schwierigkeit in den kleinen Andendoerfern ist, dass es zumeist nur derartige Produkte in den Laeden zu kaufen gibt (neben Zahnpasta, Popkorn, Schnuerbaendern, Seife und was man sonst noch so zum Leben braucht…), denn der gemeine Serrano lebt ja von dem was auf seinem Hof gackert und quiekt, bzw. auf seinem Feld waechst und gedeiht… Also, wozu eine schoene Produktpalette in den Laeden bereithalten? Wohl kaum fuer die paar radelnden Gringos, die im Jahr einmal vorbeirauschen.

In dem Fall, dass wir unsere Pausen direkt in den kleinen Doerfern machen, muessen wir damit rechnen, dass wir innerhalb weniger Minuten von mehreren, nur wenige Meter entfernten Augenpaaren angeglotzt werden (leider muss ich diesen Terminus verwenden, weil er so gut passt…). Oft kommt es natuerlich auch zu den ueblichen Fragen, wo wir denn herkommen, und wo wir hinfahren, ob wir auch Nachts fahren und uns niemals ausruhen, wie lange wir schon unterwegs sind, ob uns nie etwas passiert ist, ob wir wirklich ganz aus Deutschland mit den Raedern herangeradelt sind, etc. Manchmal werden wir am Ende dieser Gespraeche auch wohlwollend davor gewarnt, dass wir schoen aufpassen muessen, wenn wir so allein mit dem Rad unterwegs sind, weil es ja ueberall sehr gefaehrlich ist…
Aber zumeist starren die Menschen uns einfach nur an … woran wir uns dummerweise nur relativ schlecht gewoehnen koennen, denn irgendwie fuehlen wir uns durch dieses Anstarren seltsam unangenehm beengt.

Gegen 18.00 wird es dann auch schon wieder dunkel, so dass wir schnell ein paar Nahrungsmittel einkaufen. Dies ist zumeist nicht so einfach, wie angenommen. Wir erwarten ja nicht, exquisite Produkte zu finden, doch finden wir auch eine grosse Flasche Wasser, ein paar Nudeln, Kekse, Schokolade und Thunfisch nicht in einem Laden, sondern muessen – bis wir alles zusammen haben – nicht selten in 4 auf den ersten Blick alle gleich aussehenden Laeden reinschauen, bis wir unseren Einkauf erledigt haben. Praktisch dabei ist der Umstand, dass diese Laeden meistens alle direkt nebeneinander liegen – und fast alle haben das selbe Angebot. Nur fehlen hier mal die Nudeln und dort mal das Wasser. Trotzdem fragen wir uns hin und wieder, wie so viele Laeden mit exakt dem gleichen Angebot direkt nebeneinander existieren koennen – aber das wird wohl ein Geheimnis bleiben :o)
Daraufhin suchen wir uns ein Nachtlager. Oft fragen wir bei Familien, die ein ebenes Rasenstueck hinter ihrem Haus haben, wo wir dann – natuerlich unter der Begutachtung neugieriger Augen und vieler Fragen – unser Zelt aufschlagen und unseren Kocher anwerfen.
Zumeist sind wir so viel geradelt, dass uns die Nudeln mit Tuetensuppe und Thunfisch herrlich munden… Und zum Nachtisch gibt es dann ja auch zumeist noch Kekse oder Schokolade…
Lustig ist festzustellen, wie sehr wir bei diesen immer wiederkehrenden Taetigkeiten routiniert sind. Es ist genau festgelegt, wer beim Kochen und Zeltaufbauen welchen Handschlag verrichtet, wie das Zelt eingerichtet wird, wie wir es uns im Zelt zum essen gemuetlich machen, etc. Nach dem Essen kommt dann die gegenseitige “Fotoschau” wo wir uns ueber unsere Ausbeute erfreuen… dann gehts noch einmal raus in die Kaelte fuer die abendliche Hygiene und dann werden noch ein paar Seiten aus “Humbolds Reise durch Suedamerika” vorgelesen, bevor uns die Augen gegen 21.00 zufallen… So ist auch erklaert, warum wir so schoen “frueh” aufstehen…

2. Unser Stadt-Kultur-Erholungsleben ist weniger routiniert. Doch in der grossen Regel beginnt es mit einem bisschen laengeren Ausschlafen, – denn die Sonne kann uns in den fensterlosen Hostelzimmern ja nicht all zu frueh wecken…und einem ausgiebigeren Fruehstueck. Je nachdem, was die Stadt und die Umgebung so zu bieten hat, gehen wir in ein Museum, fahren zu einer nahegelegenen Sehenswuerdigkeit, essen, wie erwaehnt viel Sahnetorten und unverschaemt grosse Eisbecher, versuchen unsere Vorraete fuer die Weiterfahrt aufzufrischen, treten im Internet mal wieder mit der weiteren Welt in Kontakt und essen viel Pizza und Lasagne. Nach den Erfahrungen der letzten Wochen koennte dem noch dazugefuegt werden, dass wir unseres Stadtleben auch dahingehend ausnutzen un seine Margen-Darm-Krankheit einzufangen und diese auszukurieren… aber darauf soll hier nicht weiter eingegangen werden…

Meist sind wir nach den Stadt-Kultur-Erholungfstagen wieder froh aufs Rad steigen zu koennen, um die ganzen Stadteindruecke und Calorien wieder verdauen zu koennen… Doch stellen wir immer wieder fest, dass diese beiden Leben im Wechsel sehr angenehm und ausgleichschaffend sind.

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3 Kommentare

  1. hallo, ihr lieben radnomaden…
    mit offenen muendern haben wir euren alltag verfolgt und wir mussen sagen: „wir machen uns grosse sorgen!!!“
    gut, dass ihr frueh aufsteht, viel radfahrt und der kopf zu den verruecktesten gedanken kommt, das ist ja noch verstaendlich.
    aber: warum, haben wir uns gefragt, tut ihr euch diese diaet an???
    besonders euer fruehstueck erscheint uns ueberdenkenswert! da wir ja einen aehnlichen alltag leben eine kleine anregung… wir erwarten nicht, dass ihr laut juche schreit, denn auch unser fruehstuck wiederholt sich im „grundrezept“ taeglich, jedoch ist es eine gute energiequelle fuer die morgendlichen kilometer, bis zur brotpause, in der es selbstverstaendlich auch bei uns mal kekse sein duerfen!;-)!
    also, das grundrezept besteht aus haferflocken, milchpulver und zucker. dieses ergaenzen wir auf kreative art und weise durch obststueckchen (meist bananen oder apfel), und diverse koerner und samen (castañas sind die guenstigsten nuesse, sesam, kokos, leinsamen,… nach verfuegbarkeit auch gerne gesehen) es koennten auch noch rosinen dabei sein, die mag der si aber nicht, darum nur fuer bri. das ganze essen wir in der kalten hoehe warm (nicht jedermanns sache) und bei waermeren aussentemperaturen kalt.
    dasgute ist, dass die zutaten des grundrezeptes beinahe ueberall, auch in den kleineren ortschaften auf strecke, erhaeltlich sind und da es ja alles trockenprodukte sind, wiegen sie auch nicht zu viel! und es ist aus einem pott essbar!!! also, wir hoffen eure cola-keks-diaet hat bald ein ende…???

  2. Schmitz+Steup

    Liebe Gynni, lieber Ben (unbekannter Weise),
    endlich haben wir eure Seite gefunden.
    Haben gerade auf eurer Seite rumgestöbert……..tolle Fotos!
    Lui ist besonders beeindruckt von euren nakisch-fotos.
    So etwas hätte er natürlich nie gemacht!?!
    Vielen Dank für eure Karte.
    Wann seid ihr zurück? – Dann müssen wir unbedingt nochmal vorbei kommen.
    Sind neugierig wer euer kleiner Begleiter ist (aus dem Bericht: Alltägliches). Darauf hätten wir gerne bald eine Antwort……
    Wir wünschen euch noch alles Gute und hoffen euch bald gesund und munter wieder zu sehen……in Westerholm oder Mönchengladbach.
    Liebe Grüße Steup und Schmitz

  3. ben

    hoibri,
    keine Sorge, das Superschokoladenfruehstueck haben wir natuerlich auch im Programm – die Gynna hat im Bericht in erster Linie die Hungerstrecken in Peru und im entlegeneren Bolivien in Worte gefasst – was tun, wenn es in den kleinen Tiendas am Wegesrand nur Galletas und Sardinen zu kaufen gibt? Aber mal ehrlich: nach drei oder vier Tagen mit Keks-Diaet schmeckt die Schokoladentorte in der naechsten Stadt erst richtig gut!
    Liebe Gruesse in den Norden, ben :o)

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